Herausforderung Internet

Von Erhard Maria Klein, erschienen in Erbe und Auftrag 2/13, Seite 200-204

Bild vergrößern Seit 1998 erstelle ich Websites für kirchliche Einrichtungen, seit 2008 verstärkt für Klöster. Schon immer hat mich daher die Frage beschäftigt: Was bedeutet das Internet für die christliche Kirche? Wo liegen Chancen und Risiken? Wie sollten kirchliche Einrichtungen mit dem Internet umgehen?

Das Internet steckt immer noch in den Kinderschuhen; erst langsam zeichnen sich die langfristigen Folgen der digitalen Revolution ab. Ich habe daher auch keine einfachen Antworten zu bieten, teile aber weder die unreflektierte Begeisterung und Technikgläubigkeit, die in unserer Zeit immer noch stark ausgeprägt ist, noch die reflexhafte Ablehnung des Neuen und Unbekannten, das ja in jedem Zeitalter neu eine Quelle für Ängste darstellt. In einem Punkt bin ich mir aber sehr sicher: Das Internet wird einen gravierenden unterschwelligen Einfluss auf unser Gottes- und Menschenbild haben. Es gibt Gründe, es sogar als eine Art neuen Götzen zu betrachten.

Wer auch in Zukunft Menschen für die Botschaft des Evangeliums begeistern will, muss sich in der digitalen Sphäre bewegen können und auskennen.

Das Internet hat quasi-göttliche Eigenschaften, und es „funktioniert” für viele Menschen sogar als ein besserer Gott. Es hat transzendentale Züge. Es ist nicht sichtbar und greifbar, aber immer da. Es erscheint allwissend. Wikipedia hat etwas mit der Bibel gemeinsam: Es hat keinen erkennbaren Autor und enthält „Wahrheit“. Aktivitäten in sozialen Netzen wie facebook oder Twitter haben etwas, das an Beten erinnert. Man richtet sich an einen unbestimmten Adressaten und bekommt Antwort. Man schreibt z.B. über seine Sorgen oder Traurigkeit und erfährt scheinbar Trost und Anteilnahme.

Wie bei jeder anderen neuen Technologie zuvor wird die Selbstwahrnehmung des Menschen vom Werk seiner Hände bestimmt. Im Zeitalter der Mechanisierung haben sich die Menschen als eine Art Maschine wahrgenommen, die man nötigenfalls reparieren kann. Heute neigt man dazu, das Gehirn als eine Art Computer zu betrachten und den menschlichen Geist als die Software. Wissenschaftler träumen ernsthaft davon, ewig zu leben, wenn sie den Inhalt ihres Gehirns in das Internet hochladen. Die Virtualisierung lässt das Leben flach werden und verführt dazu, die conditio humana immer mehr zu verleugnen. Die unvollkommene Wirklichkeit – körperliche Mängel, Krankheit, Alter und Behinderung – wird immer weniger ertragen. Das Internet hat apersonale Züge; auch unsere Persönlichkeit und das, was unser Menschsein ausmacht, befindet sich in einem Prozess der Auflösung.

Ich befürchte: Unsere Vorstellung von Gott als einem persönlichen, bedingungslos liebenden, barmherzigen Gott wird im Zeitalter des Internets an Bedeutung verlieren; damit nimmt auch das christlich-humanistische Bild vom Menschen Schaden.

Trotzdem oder gerade deshalb hat es keinen Sinn, als Kirche dem Internet ablehnend und distanziert gegenüberzustehen. Man kann nur kritisieren, was man kennt, und nur jene Entwicklungen prägen, an denen man beteiligt ist. Das Internet lenkt unsere gesamte Kultur in eine neue Richtung. Wer nicht im Internet präsent ist, wird immer mehr aus dem öffentlichen Bewusstsein und Gespräch verschwinden. Wer sich nicht im Internet bewegt, wird die Menschen immer weniger verstehen und erreichen. Denn die Möglichkeiten, Menschen im öffentlichen Raum zu begegnen, nehmen immer mehr ab. Man schirmt sich mit Kopfhörern ab oder hält seinen Blick fest auf das Smartphone gerichtet. Nur noch der Körper ist wirklich anwesend – die Gedanken sind oft in einer anderen, virtuellen Welt. Die Gelegenheiten für spontane zufällige Begegnungen im „realen“ Leben werden weniger. Wer auch in Zukunft Menschen für die Botschaft des Evangeliums begeistern will, muss sich daher in der digitalen Sphäre bewegen können und auskennen.

Gleichzeitig halte ich es für sehr wichtig, die menschenfeindlichen Aspekte dieser Entwicklung klar herauszuarbeiten und Alternativen zu den falschen Heilsverprechen anzubieten. Die digitale Revolution steht heute an einem ähnlichen Punkt wie die Arbeiter-, Friedens- und Ökobewegung in ihren Anfängen. Viele Menschen verspüren zwar ein Unbehagen, doch es wird noch einen langen Weg brauchen, die problematischen, lebensfeindlichen Strukturen aufzudecken und unsere christliche Hoffnung neu so zu formulieren, dass auch die Internet-Generation sie versteht. Die digitale Revolution spielt sich vor allem in einer immateriellen, geistigen Sphäre ab; das betrifft eine Kernkompetenz der Kirche. Ich würde mir wünschen, dass sie eine Bewegung anführt, die auch in diesem Kontext Partei für den Menschen ergreift und das wahrhaft Menschliche vor der Virtualisierung und Verzweckung menschlichen Lebens bewahrt.

Professionelle und authentische Präsenz im Internet

Ich halte es daher für selbstverständlich, dass kirchliche Einrichtungen, die sich mit ihren Angeboten nach außen richten, professionell im Internet präsent sind. Da es dabei um eine Form von Kommunikation geht, drückt ein übersichtlicher, einladender Internet-Auftritt Offenheit und Zugewandheit aus. Die Nutzer verhalten sich im Internet sehr zielgerichtet. Sie suchen konkrete Informationen und überfliegen die Seiten nach Stichworten, die möglichst schnell zum gesuchten Ziel führen. Vielleicht wollen sie sich auch nur einen ersten kurzen Eindruck verschaffen: Wer sind diese Leute? Möchte ich mich darauf einlassen? In der Regel werden Texte auf Internetseiten nicht im Zusammenhang gelesen. Je kürzer die Texte sind, umso besser. Das erfordert die Fähigkeit, Dinge klar auf den Punkt zu bringen. Im Internet gilt die alte Weisheit „ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ noch mehr als sonst. Die Bilder sollten ästhetisch-handwerklich eine gewisse Qualität haben, müssen aber zugleich authentisch wirken. Fotos von Bildagenturen verbieten sich in der Regel. Besser sind eigenes Bildmaterial bzw. Fotos von professionellen oder Hobby-Fotografen, die das Kloster gut kennen, z.B. von Gästen und Freunden des Klosters.

Die Gliederung des Internet-Auftritts soll weniger die Binnensicht des Klosters widerspiegeln, sondern stärker auf die Perspektive des Internetnutzers eingehen. Es empfiehlt sich, bei der Gliederung vom „Angebot“ her zu denken, d.h. abseits der eigenen institutionellen Strukturen in den Kategorien des Websitebenutzers zu denken. Wer z.B. eine Möglichkeit sucht, als Einzelgast ein paar Tage im Kloster zu verbringen, muss direkt von der Startseite aus einen entsprechenden Hinweis finden (z.B. „Zu Gast im Kloster“). Der Internet-Nutzer erkennt nicht ohne weiteres, dass sich der Gästebetrieb z.B. unter dem Menüpunkt „Haus St. Ansgar“ o.ä. verbirgt.

Da die Website der allgemeinen Öffentlichkeit zu Verfügung steht, soll sie sich auch allgemeinverständlich ausdrücken und kirchlich-klösterliche Fachbegriffe zurückhaltend verwenden oder sie zumindest kurz erklären – z.B. in Form eines Glossars.

Aktuelle Entwicklungen

Schon in den nächsten Jahren werden mehr Menschen über mobile Endgeräte (Smartphones und Tablet-PCs) auf das Internet zugreifen als über einen klassischen PC. Das geschieht nicht nur von unterwegs, sondern auch im heimischen Wohnzimmer oder am Küchentisch, um sich schnell zu informieren, ohne eigens den PC einschalten zu müssen. Immer mehr Internetnutzer werden gar keinen PC mehr besitzen.

Wer heute einen neuen Internet-Auftritt plant, sollte ihn daher von vorneherein auch für kleine Bildschirme optimieren, im Sinn eines „responsiven Webdesigns”: Die Website passt sich automatisch an die Bildschirmgröße des Betrachters an und stellt Inhalte jeweils optimiert dar. Das ist nicht alleine eine Sache der Technik, sondern auch der inhaltlichen Konzeption.

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Weitere aktuelle Entwicklungen sind QR-Codes, die eine Verbindung zwischen der realen Welt (z.B. Zeitschriften-Artikel oder Infotafeln) und weiteren Informationen im Internet herstellen. Der quadratische QR-Code wird mit dem Smartphone eingelesen, um über diesen Weg direkt eine zugehörige Internetseite aufrufen zu können. Wirklich nützlich ist dies erst, wenn die so aufgerufene Internetseite auch für Smartphones optimiert ist.

Längere Texte wurden auf Internetseiten bisher oft als pdf-Downloads angeboten, da sie in der Regel ohnehin ausgedruckt und nicht am Bildschirm gelesen werden. Die zunehmende Verbreitung von E-Book-Readern legt es nahe, solche Texte in Zukunft auch im epub-Format zum Download anzubieten, so dass man sie direkt auf seinen E-Book-Reader herunterladen kann.

Beispiele aus der Praxis

Wenn wir mit der Arbeit für eine Kloster-Website beginnen, suchen wir zunächst zu verstehen: Was zeichnet die Gemeinschaft, ihre spirituelle Tradition und den Ort aus? Wir versuchen den Wesenskern zu erspüren und diesen dann im Internet-Auftritt nicht nur mit Worten, sondern durch die Gesamtkomposition von Layout, Bildauswahl, Gliederung und kurzen Texten zu vermitteln.

Kloster Nütschau

Was zeichnet das jeweilige Kloster aus? Beim Kloster Nütschau ist es z.B. die starke Überschneidung des Alltags der Gäste mit dem Alltag der Mönche, die in dem Menüpunkt ora et labora und dem eindrucksvollen Titelbild seinen Ausdruck findet: Arbeit und Gebet geschieht gemeinsam mit den Gästen.
www.kloster-nuetschau.de

Karmeliten

In unseren ersten Gesprächen mit den Karmeliten wurde klar, dass die Spiritualität des Karmel, die ja mit Begriffen und Bildern wie „Dunkle Nacht”, „Wüste” und „Leere” verbunden ist, auf der Website erfahrbar werden muss. Wie lässt sich das aber auf einer Website angemessen darstellen? Könnte man nicht eine sehr reduzierte, fast „leere” Website machen? Wir fanden die Idee gut, aber auf direktem Weg nicht umsetzbar. Je einfacher, schlichter und klarer eine Website ist, desto schneller huscht der Nutzer daran vorbei. Das Gegenteil der eigentlichen Intention würde eintreten. Erschwerend kam hinzu, dass gleichzeitig auch Sachinformationen über acht Gemeinschaften und die Geschichte und Spiritualität des Karmel auf der Website vermittelt werden sollten.

Herausgekommen ist eine Website, die zwei Ebenen hat. Im Vordergrund, der Alltags- und Sachebene, findet sich eine klassisch gemachte Website, klar gegliedert, übersichtlich, einfach zu nutzen. Zusätzlich gibt es eine Hintergrund-Ebene, die mit großflächigen Bildern und Gedankenanstößen um die Spiritualität des Karmel kreist. Es finden sich hier (z.T. sehr moderne) Videoclips, Audiobeiträge und kurze Texte. Sie sollen den Websitebesucher einen Moment lang vergessen lassen, was er eigentlich auf der Website gesucht hat, entschleunigen und einen Raum eröffnen – vielleicht sogar für eine Begegnung mit Gott.

Diese zweite Ebene drängt sich dem Besucher nicht auf. Im Gegenteil: im Vordergrund gibt es nur zwei Elemente, die vielleicht erahnen lassen, dass es noch mehr gibt als das, was man gerade sieht. Die großen Bilder oben auf den Seiten entpuppen sich beim Scrollen als Fenster auf ein großes Bild, das scheinbar dahinter liegt. Man beginnt sich – vielleicht zunächst unbewusst – zu fragen, ob da noch mehr ist und wie man dorthin gelangen kann? Außerdem gibt es auf jeder Seite ein karmelitanisches Zitat, verbunden mit einem kleinen Pfeil. Wer neugierig geworden darauf klickt, wird feststellen, dass der Vordergrund herunterfährt und den Blick auf ein eindrucksvolles Hintergrundbild freigibt. Ein weiterer Klick auf “Erfahren Sie mehr” ruft dann einen spirituellen Impuls auf. Die Video- und Audiobeiträge haben ihr eigenes Tempo und halten den Betrachter an dieser Stelle fest, zumal sie z.T. mit den (frommen?) Erwartungen des Besuchers brechen.

Wir rechnen mit der Neugier des Website-Besuchers und setzen ihm nichts vor, sondern geben ihm die Möglichkeit, es selbst zu entdecken. Damit wird spirituelle Erfahrung modellhaft vorweggenommen und kann so das Wesen der Spiritualität besser verdeutlichen als lange Texte, die im Internet meist nicht gelesen werden.
www.karmeliten.de

Schott

Ein wichtiger Nutzen des Schott im Internet besteht darin, dass sich Lektoren zur Vorbereitung auf ihren Dienst den Text zu Hause schon einmal durchlesen können. Unsere Überarbeitung dieses Internetangebots macht es nun möglich, den Text auch mit dem Smartphone oder iPad am heimischen Küchentisch gut lesbar aufzurufen. Und zwar ohne sich erst durch die Internetseiten navigieren zu müssen oder den PC einzuschalten.
www.erzabtei-beuron.de/schott

Wenn ich hier etwas umgangssprachlich vom „Internet” spreche, meine ich damit die gesamte digitale Sphäre, die mehr und mehr alle Lebensbereiche durchdringt und von der alle Menschen betroffen sind, selbst wenn sie sich nicht aktiv ins Internet hineinbegeben.
vgl. Turkle S. 476
„Man verdrängt das Wissen über die menschliche Autorschaft eines Textes, um dem Text eine übermenschliche Wertigkeit zuzusprechen. Traditionelle heilige Schriften funktionieren auf genau die gleiche Weise(…)” (Lanier)
vgl. Peter H. Diamandis: Angebliche Befriedigung, in: Wie hat das Internet Ihr Denken verändert? S. 299f
vgl. Lanier, Schnabel
vgl. Weizenbaum S. 140-152, Brüntrup SJ
vgl. Jaron Lanier: Die Maximierung der Neotenie, in: Wie hat das Internet Ihr Denken verändert? S. 373-376
vgl. Bauman S. 25
vgl. Bauman S. 151
Testen Sie dies z.B. mit www.karmeliten.de oder www.erzabtei-beuron.de, indem Sie das Browserfenster immer schmaler machen oder die Website gleichzeitig mit dem Smartphone und PC aufrufen. Sie können auch testen, wie Ihr eigener Internet-Auftritt auf mobilen Endgeräten aussieht und sich bedienen lässt: www.responsinator.com